Entlassung Vertragsarbeiter*innen

1991

Germany

Citizenship Labor & Economy

Nach der Wende schließen viele Betriebe in der ehemaligen DDR auf Grund der Angleichung an westdeutsche Betriebsprozesse. Dadurch ist der Verbleib tausender eingewanderter Arbeitsmigrant*innen plötzlich ungewiss.

Die „Verordnung über die Veränderung von Arbeitsrechtsverhältnissen mit ausländischen Bürgern“ vom 13. Juni 1990 erlaubt es Betrieben auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, Arbeitsmigrant*innen von nun aus „zwingenden Gründen“ entlassen zu können. Weil diese Gründe nicht genau festgelegt sind, können Arbeitgeber*innen frei über die Auslegung bestimmen. Daraufhin kommt es zu Massenentlassungen von Vertragsarbeiter*innen die sich in äußerst prekären Situationen wiederfinden. Die Regierung verspricht denjenigen eine Entschädigung von 3000 DM, die bereit sind das Land sofort zu verlassen und in ihre Herkunftsländer zurückzukehren. Andere Betriebe lassen ihre Arbeiter*innen bis zum Ende ihrer Verträge weiterarbeiten. Da viele der Betroffenen nicht mit der Rechtslage vertraut sind, reisen sie aus.

Diejenigen, die in der BRD bleiben, blicken in eine ungewisse Zukunft. Um eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen müssen sie eine sichere Arbeitsstelle, ausreichend Wohnraum (12qm/ Erwachsenen) und Straffreiheit vorweisen. Da die ohnehin wenigen freien Arbeitsplätze aber vorwiegend an Mehrheitsdeutsche vergeben werden, gestaltet sich die Situation als schwierig. Viele von ihnen machen sich daher im Einzelhandel selbstständig (Textil, Blumengeschäfte, Imbissbuden), andere, die weder eine Arbeit noch einen gesicherten Aufenthalt haben, verkaufen zum Beispiel unverzollte Zigaretten. Viele von ihnen sind dabei oftmals polizeilicher Gewalt ausgesetzt.